Die Stadt Mohrin hat immer acht,
Guckt in den See bei Tag und Nacht.
Kein gutes Christenkind erleb's
Dass los sich reiss' der grosse Krebs!
Er ist im See mit Ketten geschlossen unten an,
Weil er dem ganzen Lande Verderben bringen kann.
Man sagt: Er ist viel Meilen gross
Und wend't sich oft und, kommt er los,
So währt's nicht lang, er kommt an Land;
Ihm leistet keiner Widerstand.
Und weil das Rückwärtsgehen bei Krebsen alter Brauch,
So muss denn alles mit ihm zurücke gehen auch.
Das wird ein Rückwärtsgehen sein!
Steckt einer was ins Maul hinein,
So kehrt der Bissen vor dem Kopf,
Zurück zum Teller und zum Topf.
Das Brot wird wieder zu Mehle,
das Mehl wird wieder Korn
Und alles hat beim Gehen den Rücken dann nach vorn.
Der Balken löst sich aus dem Haus
Und rauscht als Baum zum Wald hinaus,
Der Baum kriecht wieder in den Keim,
Der Ziegelstein wird wieder Leim.
Der Ochse wird zum Kalbe,
das Kalb geht nach der Kuh,
Die Kuh wird auch zum Kalbe,
so geht es immerzu!
Zur Blume kehrt zurück das Wachs,
Das Hemd am Leibe wird zu Flachs,
Der Flachs wird wieder blauer Lein
Und kriecht dann in den Acker ein.
Man sagt, beim Bürgermeister zuerst die Not beginnt,
Der wird vor allen Leuten zuerst ein Päppelkind.
Dann muss der edle Rat daran,
Der wohlgewitzte Schreiber dann;
Die erbgesessne Bürgerschaft
Verliert gemach die Bürgerkraft.
Der Rektor in der Schule wird wie ein Schülerlein,
Kurz eines nach dem andern wird Kind und dumm und klein.
Und alles kehrt im Erdenschoss
Zurück zu Adams Erdenkloss.
Am längsten hält, was Flügel hat,
Doch wird zuletzt auch dieses matt;
Die Henne wird zum Küchlein, das Küchlein kriecht ins Ei,
Das schlägt der grosse Krebs dann mit seinem Schwanz entzwei.
Zum Glücke kommt’s wohl nie so weit!
Noch blüht die Welt in Fröhlichkeit!
Die Obrigkeit hat wacker acht,
Dass sich der Krebs nicht locker macht.
Auch für dies arme Liedchen wär' das ein schlechtes Glück:
Es lief vom Mund der Leute ins Tintenfass zurück.