DE | EN
Franz Karl Basler-Kopp
The Lucerne Fairy-Tale Painter 1879 – 1937

This text is currently only available in German.

Franz Karl Basler-Kopp, der Luzerner Märchenmaler vom Bramberg (1879-1937)

Dr. W. Kneubühler

A short article on Basler-Kopp, who spent the last ten years of his life on the Bramberg, was written for the issue of the Lucerne neighbourhood newspaper «Luegisland» published for the general assembly of the neighbourhood association on 11 April 2008. Unfortunately, the article appeared there badly cut, and important explanations of the pictures were missing. Here is the article as it was originally intended.

Kennen Sie den Kunstmaler Franz Karl Basler-Kopp? Oder gar Bilder von ihm? Es sind wohl nicht viele, die diese Frage bejahen können 70 Jahre nach seinem Tod. Aber innerhalb eines engeren Kreises der Besitzer seiner Bilder, bei einigen Galeristen und auch beim Kunstmuseum Luzern ist "der Malerpoet", wie ihn Ferdinand Avenarius, Herausgeber des „Kunstwarts“, nannte, durchaus ein Begriff. Das Kunstmuseum Luzern besitzt acht Bilder von ihm (zu sehen in der „Sammlung online“ im Internet) und auch das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft hat auf seiner Online-Datenbank einen Eintrag zu Basler-Kopp.

Brambergstrasse 11 in Luzern
Brambergstrasse 11 in Luzern: das Ehepaar Basler-Kopp zog am 11. März 1927 hier in der obersten Wohnung ein.
Basler-Kopp mit seiner Frau Julia
Basler-Kopp mit seiner Frau Julia auf dem Balkon von Brambergstrasse 11

Wer war dieser Maler auf dem Bramberg? Karl Basler wurde als erstes von drei Kindern einer vom südbadischen Weizen zunächst nach Basel gezogenen Bauernfamilie am 17. Februar 1879 in Basel geboren. Kurz nach seiner Geburt kam die Familie nach Luzern, wo Karl in sehr ärmlichen Verhältnissen – der Vater war Pferdewärter und Fuhrmann, die Mutter Glätterin – an der Baselstrasse aufwuchs und die Grundschule besuchte. Eine höhere Schulbildung wurde ihm nicht zuteil.

Infolge einer Infektion wurde seine rechte Hand noch während der Schulzeit verstümmelt. Obschon sie nicht völlig unbrauchbar wurde, und Basler von Geburt her Rechtshänder war, wurde in der Folge seine linke Hand zur Haupthand, mit der er zeichnete und malte.

Nach der Grundschule besuchte Basler von 1893-1898 die Kunstgewerbeschule Luzern, und zwar die damals eben neu gegründete Abteilung für Glasmalerei. Allerdings war die Glasmalerei nicht eigentlich seine grosse Liebe, er fühlte sich mehr zur Arbeit auf Leinwand und Papier hingezogen, der er sich während seiner ganzen Freizeit autodidaktisch widmete.

Gulliver
„Gulliver“
Nach dem Märchen von Jonathan Swift
Tusche, teilw. koloriert, auf Papier, 20x25 cm
In Privatbesitz in Böckten (CH)
Vielleicht hat Basler sich durch die Fassaden am Hirschenplatz in Luzern zur Kulisse für diese Gulliverdarstellung inspirieren lassen. Die Kunstgewerbeschule war ja nicht weit von hier!
Beckibüezer
„Beckibüezer“
Farbstift auf Papier, 23.8x16.3 cm
In Privatbesitz in Memphis, Tennessee, USA
Ein Stück Kulturgeschichte: Geschirrflicker als es noch keine Zweikomponentenkleber gab

Als er, neunzehnjährig und mittlerweise wohnhaft an der St. Karlistrasse 11, in eine Glasmalerwerkstätte eingetreten war, erkrankte er ein weiteres Mal an einer Infektion, diesmal eines Fusses, die sich in sehr gefährlicher Art entwickelte. Viel scheint nicht gefehlt zu haben, dass der Fuss hätte amputiert werden müssen. Diese neuerliche Erkrankung erwies sich aus späterer Sicht wie eine Fügung, indem es einem jungen Arzt schliesslich doch gelang, den Fuss zu retten und zu heilen. Dieser Arzt war Dr. Franz Kopp, der Gründer des Bethanienheims an der Cysatstrasse 1 in Luzern und Sohn des Rektors der Stadtschulen und der kaufmännischen Berufsschule, Johann Baptist Kopp. Dr. Kopps Schwester, Julia Kopp, hatte ihm bei den Krankenbesuchen jeweils assistiert, und in der Folge entwickelte sich zwischen Karl und Julia eine tiefe Zuneigung, die schliesslich im März 1905 zur Ehe führte. In der über 11 Jahre älteren Julia fand Basler eine Gefährtin, die „engsten Anteil an des Lebens schweren und stillen Kämpfen nahm“, wie es in seinem Nachruf heisst.

1912 und 1914 reiste Basler-Kopp, wie er sich fortan nannte, zweimal zu Studienaufenthalten nach München. 1922 und 1923 folgten zwei ausgedehntere Deutschlandreisen, die ihm der ETH-Professor Dr. Adolf Tobler, ein ihm wohlgesonnener Kunstfreund in Zürich, ermöglichte. Es scheint, dass diese beiden Deutschlandreisen in vielen nordisch anmutenden Motiven von Baslers Bildern ihren Niederschlag gefunden haben, zum Beispiel im Ölbild "Fremde – Heimkehr" (Kunstmuseum Luzern).

Basler-Kopp war als Künstler ein spät geborener Romantiker, der jene künstlerischen Elemente weiterpflegte, die bei Spitzweg, Kreidolf, Welti und Böcklin einst einen Höhepunkt gefunden hatten. Er wusste allerdings, dass der Zeitgeist über solches künstlerisches Denken und Gestalten hinwegschritt. Deshalb zog er sich in den letzten Jahren seines Lebens mehr und mehr in eine stille Klause des Schaffens zurück, in der er ein illustratives Märchenwerk höchst eigener Empfindung schuf, vertrauend auf die inneren Werte der literarischen Edelsteine unserer Volkspoesie.

Der seltsame Geiger
„Der seltsame Geiger“
Kreide auf Papier, 62x52 cm
In Privatbesitz in Böckten
Nach einer unbekannten literarischen Quelle
Die drei Rosse
„Die drei Rosse“
Kreide auf Papier, 42x55 cm
In Privatbesitz in Luzern
Sumiswalder-Sage; Ausgangspunkt der „Schwarzen Spinne“ von J. Gotthelf

Gegen Ende seines Lebens, von der Öffentlichkeit und der Kunstwelt kaum noch wahrgenommen, als eine schwere Krankheit sich schon länger bemerkbar gemacht hatte, tat sich zwar auf Initiative von Dr. iur. Albert Zgraggen, Präsident des Obergerichts Luzern, ein Kreis von Freunden Baslers zusammen mit dem Ziel der Gründung einer „Fördervereinigung“, wie man heute vielleicht sagen würde. Dazu kam es indessen nicht mehr. Franz Karl Basler-Kopp nahm sich am 1. April 1937, unheilbar krank, das Leben.

Basler-Kopp auf den „Märchenmaler“ zu reduzieren, würde seinem Werk nicht gerecht. Sicher machen seine Märchen- und Sagendarstellungen einen substanziellen Teil seines Schaffens aus, doch bezog er seine Motive auch aus Romanen, Legenden und Novellen, malte Themen aus der Bibel und geschichtliche Ereignisse, daneben aber auch, wenngleich selten, landschaftliche Motive.

Obschon er sich nicht gerne binden liess, fertigte er doch für die „Münchner fliegenden Blätter“ einige Zeichnungen (leider noch verschollen) und war für den Sauerländer-Verlag Aarau von 1925 bis 1933 als Illustrator tätig. Hier sind vor allem die „Schweizersagen“ von A. Büchli zu erwähnen, die er offenbar mit grosser Freude mit über 150 kraftvollen Zeichnungen ausstattete.

Sein Werk umfasst neben den schon erwähnten Buchillustrationen eine unbekannte Anzahl, vermutlich einige hundert, Bilder und Zeichnungen in den verschiedensten Techniken. Es ist uns gelungen, in den letzten drei Jahren auf Grund von Recherchen in Archiven und Bibliotheken und dank der Unterstützung von schweizerischen und deutschen Galerien und Auktionshäusern rund hundert Bilder und Zeichnungen wieder aufzufinden, von denen wir in diesem Beitrag eine Auswahl, leider nur in schwarz/weiss,* zeigen können. Die vollständige Sammlung von Fotografien der wiedergefundenen Werke von Basler-Kopp findet sich auf dem Internet unter www.basler-kopp.ch, wo auch eine ausführlichere Biografie und eine vertiefte künstlerische Würdigung seines Wirkens zu finden ist.

Hufeisen und HaarflechteHufeisen und Haarflechte, Grabkreuz (Detail)
Illustration zu "Hufeisen und Haarflechte" aus den "Schweizersagen" von A. Büchli. Man beachte die Inschrift auf dem Grabkreuz in der Vergrösserung rechts! Band 2 des Werkes von A. Büchli, in dem diese Zeichnung enthalten ist, erschien 1928. Die Inschrift ist wohl als Ausdruck von Todesahnungen im Wissen um seine schwere Krankheit zu begreifen ist. Basler starb am ersten April 1937.

Wo aber ist der Rest? Eine ganze Reihe von Werken sind wohl verloren. Anderseits ist aber zu vermuten, dass gerade in Luzern oder Umgebung noch eine ganze Reihe von Basler-Bildern erhalten sind, die beispielsweise im familiären oder Bekanntenumkreis der erwähnten „Freunde von Kunstmaler Basler-Kopp“ die Zeit hoffentlich überdauert haben. Auch in den Aargau könnte über die Schwägerin Baslers eine Spur führen. Leider finden sich im Moment kaum neue Ansatzpunkte für weitere Forschungen. In Deutschland ist es uns durch die Mithilfe der Galerien gelungen, nach Auktionen in Freiburg, Heilbronn und Bonn die Geschichte von insgesamt 9 Bildern bis an deren Ursprung im nächsten Umfeld Baslers zurückzuverfolgen. Vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei, weitere Werke Baslers oder vielleicht auch Dokumente aufzuspüren und den Maler noch besser kennenzulernen.

Schimmelreiter
„Schimmelreiter“
Kreide auf Papier, 68x74 cm
In Privatbesitz in Luzern
Nach der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm
Lauelenschratt
"Lauelenschratt"
Ölbild
(Das Bild ist verschollen)
Ein Bergschrat auf der Lauelen am Pilatus